Schbätzlesgelb

Früher war ich ein leidenschaftlicher „Essen Geher“. Meine bevorzugten Lokalitäten waren sorgfältig auserwählte Thailänder, Pizzerien und Steakbruzzler. Thai, weil ich diese Küche liebe und nicht in der Lage war das selbst zu kochen, Pizza aus dem selben Grund (Nudeln aß ich in der Regl zuhause, es ging immer nur um Pizza oder Muscheln) und dann noch der Steakbruzzler, das bereits von mir erwähnte Steaketablissement in HN lässt heute noch mein Herz höher schlagen. Natürlich verlässt man sich immer darauf, dass da in der Küche alles mit rechten Dingen zugeht und nicht groß geschummelt und rumgetürkt wird.
Meine Kumpels schenkten mir zum 40. Geburtstag etwas, das ich mir schon lange wünschte. Ich wollte schon immer mal in einer Gaststättenküche kochen. Da einer der Jungs ein Sportheim mit Gaststätte hatte bekam ich zum Geburtstag einen Freiabend in der Küche. Mit Jungs. Da durfte ich mich austoben. Sechsflammengasherd, große Töpfe, überall große Gebinde, herrlich. Ich war glücklich.
Allerdings bekam an diesem Abend mein Glaube an die Gastronomie und ihre Küche einen ordentlichen Knacks von dem ich mich nie mehr erholte. Gegenüber des Monsterherdes war die Arbeitsfläche. Darüber ein Regal. Und dieses Regal war von Flaschen, Dosen, Beutelchen mit „mystischen Ingredienzen“ gefüllt. Fleischzartmacher, Soßenzauber, Spätzlesgelb und diverses anderes.
Wir hatten gestern abend Rühreier. Da brauchst du keinen Zusatz für deine „Eierspätzle“.