Linglong

Unser Trafo und der Stromzähler sind direkt an der Einfahrt zu unserem Grundstück. Klingt komisch, ist aber so. Weil jeden Monat kommt der Stromableser mit dem Moped und der muss den Strom ablesen können ohne dein Grundstück zu betreten. Unsere Baustelle ist ein paar Meter von der Einfahrt und dem Stromzähler entfernt, deshalb mussten wir ein Kabel besorgen. Ein 4 oder 5 adriges Kabel war nicht aufzutreiben, deshalb bestellten wir 4 Einzeldrähte in verschiedenen Farben mit 10mm² Querschnitt. (Kupfer, kein Alu). Auf dem Weg zur Ferreteria machten wir am Bonimar Halt um diverse Einkäufe zu erledigen. Bis dahin verlief der Tag einwandfrei.
Was das mit Linglong zu tun hat?
Hier in der Gegend fahren unglaublich viele LKW, denn der Hafen ist nicht weit, die Hauptstadt auch nicht und Industrie siedelt sich auch immer mehr an. Zudem fahren je nach Jahreszeit LKW voll Soja und Zuckerrohr. Und was wir oft gesehen haben waren LKW auf denen groß „Linglong“ auf der Plane stand. Wir mussten immer lachen, weil das klingt so chinesisch.
Auf dem Bonimar Parkplatz sind auf dem Boden so 10 cm hohe Stahlleisten angeschraubt. Beim Einparken fährst du bis an diese Leiste mit dem Vorderrad ran, alles gut.
Beim Ausparken passte ich nicht auf und fuhr mit dem Vorderrad quer auf einen dieser Stahlleisten. Vorne sind die aalglatt, an der Seite messerscharf. Pffftt. Reifen auf 10 cm aufgeschlitzt. Super.
Sofort kamen Leute gelaufen um Ihre Hilfe anzubieten. Gegenüber war eine Gomeria (Reifenflicker), aber mit flicken war hier nichts zu retten. Reifenwechsel war angesagt.
Ich wusste, unter dem Fahrersitz war Werkzeug und der Ersatzreifen unter der Pritsche. Wagenheber haben wir nach langer Suche unter einer Abdeckung gefunden. Das mit dem Ersatzreifen hätte ich nie alleine gerafft. Der ist tatsächlich mit einem Seilzug an den Boden der Pritsche gezogen. Du musst auf der Pritsche eine sehr unauffällige, kleine Gummiabdeckung öffnen, eine Stange aus deinem Werkzeug da reinstecken und dann den Reifen runterkurbeln… Wäre ich NIE draufgekommen.
Einer der Helfer ließ es sich nicht nehmen den Reifen zu wechseln. Er wollte auch nicht, dass ich ihm helfe. Sein kleiner Sohn reichte derweilen Tereré. Nach dem Reifenwechsel wollte ich ihm etwas Geld geben, er verweigerte die Annahme. Das gefiel mir nicht wirklich, denn immerhin ließ er seinen Bus zur Arbeit sausen (!!!) und machte sich auch noch furchtbar dreckig. Wir einigten uns darauf, dass ich seinem Sohn etwas gab. Seine leuchtenden Augen sprachen Bände…
In Guarambaré fuhren wir zur Werkstatt, die konnten uns leider unseren Reifen nicht besorgen. Wir wurden zu „Sunset“ geschickt, ein großer Reifenhändler an der Acceso Sur.
Dort wurde uns dann geholfen. Wir bekamen einen neuen Reifen, professionell montiert und ausgewuchtet. Was für eine Marke?
Linglong!