Lactobacillus delbrueckii subspecies bulgaricus

Hat lange gedauert, den in Reinform aufzutreiben. Ich war schon immer ein großer Fan von Joghurt, Sauermilch, Ayran, Kefir und so. Pure Milch habe ich lange nicht mehr getrunken. Erst gabs keine mehr beim Bauer Fritz aus der Nachbarschaft und dann fingen die geldgeilen Milchkonzerne von Frischmilch die so ca. 8 Tage hält auf sogenannte ESL Milch umzustellen die zwei Wochen oder mehr hält.

Immer unter dem Vorwand der Kunde will das so haben. H-Milch finde ich zum Kotzen, schmeckt abscheulich und hat meines Erachtens mit Milch nicht mehr viel zu tun. Wer den Geschmack von frischer Milch kennt und halbwegs zu schätzen weiß, der trinkt keine H-Milch. Nachdem die Frischmilch von der ESL Milch verdrängt wurde, wie immer alles zu unserem besten, gabs Milch nur noch für Kaffee oder ab und an für „Kaba“ und Grießbrei. Die ESL Milch ist geschmacklich zwischen Frisch und H-Milch, näher an der Frischmilch. Aber sie hat halt schon so einen Touch H-Milch. Das Schlimme daran ist ja, dass du dich daran gewöhnst und den ursprünglichen Geschmack vergisst. Erst dann, wenn du mal wieder frische Milch trinkst, merkst du mal was das für eine Plörre ist.
Seitdem ich in Paraguay bin, wird wieder Milch getrunken. Jeden Tag ein großes Glas nach dem Aufstehen. Wunderbare Frischmilch, gibts im 1 Liter Schlauch, die Molkerei ist drei km von hier und hat einen Werksverkauf. Sauermilch, Kefir, Quark oder Buttermilch gibts hier nicht. Aber Joghurt en masse.
3 Geschmacksrichtungen: Vanille, Cocos und Pfirsich. Überwiegend als Trinkjoghurt, mit jeder Menge Zucker und unechten Früchten. Die trinken das hier in rauen Mengen… Ich nicht.
Naturjoghurt gibt es auch. Nicht überall zu kaufen doch die Molkereien stellen das in kleinen Mengen her. Haben wir immer auf Vorrat, brauchen wir für Salatsoße, Müsli, Bananenmilch oder paar Früchte rein als Fruchtjoghurt. Einziges Manko: Der Joghurt ist eigentlich ein Chemiebaukasten. Die Zutatenliste dreht mir den Magen rum, aber aus Mangel an Alternativen und in kleinen Dosen habe ich mich damit momentan arrangiert.
Doch damit ist jetzt Schluß.
„Wir machen jetzt unseren Joghurt selber“.
Wir experimentierten mit den gekauften Joghurts. Die Idee war, dass wenn wir einen Ansatz und daraus wieder einen Ansatz machten usw., die zugesetzten Stoffe immer weniger werden würden.
Die Ergebnisse waren zufriedenstellend, der Geschmack wurde besser, einzig die lapprige Konsistenz passte mir nicht. Wir stehen auf stichfest und säuerlich.
Zwei Dinge waren dafür notwendig: Milch und die richtigen Bakterien. Milch hatten wir. Gute Milch.
„Lactobacillus delbrueckii subspecies bulgaricus“ hatten wir nicht. Kannst du wohl als Ferment fast weltweit kaufen, hier aber nicht.
Vor einigen Wochen haben wir im Supermarkt unseres Vertrauens einen Naturjoghurt im Glas entdeckt.
Das Etikett von Hand beschriftet, Inhaltsstoffe: Milch und Lactobacillus delbrueckii subspecies bulgaricus.
Fertig aus, nix weiter.
Der Joghurt war stichfest (Glas auf Kopf gestellt) und sauteuer.
Diese Woche haben wir im TUPI einen Joghurt Maker gekauft. Dazu ein Glas des Naturjoghurts aus dem Areté Supermarkt.
Der Joghurt ist der absolute Hammer. Geschmack und Konsistenz ein einziger Traum. Also, los gehts:
1 Liter Milch auf 90° C erwärmt.
Auf 42°C abkühlen lassen.
150 ml des gekauften, zimmerwarmen Joghurts in die Milch eingerührt.
Die 7 Gläschen des Joghurt Maker befüllt und in die Maschine gestellt.
Deckel drauf und eingeschaltet.
Das Teil ist nichts anderes als ein kleiner Brutkasten der die Temperatur konstant hält.
Nach ca 6 Stunden raus aus der Maschine und für ein paar Stunden in den Kühlschrank zum nachreifen. (Steht so in der BA des Joghurt Maker. Ist übrigens von Severin, made in Germany, Importware.)

Boah ehh. Nur geil. Genau wie das Original. Fest und säuerlich.

Glücklich.